Erektile Dysfunktion (ED): immer häufigeres Problem im Alter

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Erektile Dysfunktion (ED): immer häufigeres Problem im Alter

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Erektile Dysfunktion (ED) ist eine häufige Erkrankung, die mit dem Unvermögen verbunden ist, eine ausreichende Erektion für eine sexuelle Aktivität zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.

Die Prävalenz (Anzahl der Krankheitsfälle) der ED steigt mit zunehmendem Alter und betrifft schätzungsweise 50% der Männer über 50 Jahren. Zwischen dem 60. und 69. Lebensjahr hat sich die Zahl der schweren Fälle von erektilen Dysfunktionen schon fast verdoppelt. Warum ist das so?

Erektile Dysfunktion (ED) – Artikelübersicht:

Erektile Dysfunktion ist eine sexuelle Funktionsstörung des Mannes, bei der es über einen längeren Zeitraum hinweg nicht möglich ist, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion des Penis zu erreichen und aufrechtzuerhalten.

Eine ED kann wiederkehrend auftreten und wird als chronisches Krankheitsbild von mindestens 6-monatiger Dauer definiert.

Laut Definition kann ein Mann mit ED in mehr als zwei Dritteln der Versuche keine Erektion bekommen oder aufrecht erhalten, die für einen Geschlechtsverkehr ausreichend ist.

Die Häufigkeit der ED in Österreich wird auf etwa 20% der Männer im Alter von 30 bis 80 Jahren geschätzt. Mit anderen Worten, rund ein Fünftel aller Männer leiden an einer Form der Erektile Dysfunktion mit einer extrem ansteigenden Häufigkeit im Alter.

Ursachen

Die Ursachen für ED sind vielfältig und können vaskuläre Pathologien, wie Atherosklerose, Metabolisches Syndrom, Diabetes Mellitus und Testosteronmangel beinhalten.

Erektile Dysfunktion ist vor allem bei Männern über 50 Jahren ein häufiges Problem, da in diesem Alter Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose häufiger auftreten können und die Durchblutung beeinträchtigen.

Auch Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und neurologische Erkrankungen sind in diesem Alter häufiger und können zu anhaltenden Erektionsproblemen führen.

Störungen des Nervensystems oder der Blutgefäße, Verletzungen und natürlich psychogene Faktoren, wie Stress, Angst und Depression, können ebenfalls eine Rolle spielen.

Einige medizinische Bedingungen, einschließlich Prostatakarzinom, können ebenfalls die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.

Der sich verändernde Hormonhaushalt des Mannes kann auch eine mögliche Ursache für erektile Dysfunktion mit 30 sein.

Außerdem können bestimmte Medikamente, wie Antihypertensiva und Antidepressiva, eine ED auslösen.

Medikamente als Auslöser einer Erektile Dysfunktion

Es gibt mehrere Arzneimittel, die als Auslöser einer erektilen Dysfunktion fungieren können. Hier sind einige Beispiele:

  • Antihypertensiva: Einige Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck, wie z.B. Beta-Blocker, Thiaziddiuretika und ACE-Hemmer, können die erektile Funktion beeinträchtigen, indem sie den Blutfluss in den Penis reduzieren.
  • Antidepressiva: Einige Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), können die Libido und die erektile Funktion beeinträchtigen.
  • Antipsychotika: Einige Antipsychotika, insbesondere ältere Typen wie Phenothiazine und Haloperidol, können die sexuelle Funktion beeinträchtigen.
  • Hormonelle Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt werden, wie z.B. GnRH-Analoga und Antiandrogene, können den Testosteronspiegel senken und die erektile Funktion beeinträchtigen.
  • Chemotherapeutika: Einige Chemotherapeutika, insbesondere Zytostatika, können die erektile Funktion beeinträchtigen.
  • Anxiolytika: Einige Medikamente zur Behandlung von Angststörungen, wie z.B. Benzodiazepine, können die erektile Funktion beeinträchtigen.

Natürlich entwickelt nicht jeder, der diese Medikamente einnimmt, eine erektile Dysfunktion. Die Auswirkungen können von Person zu Person unterschiedlich sein.

Performance Anxiety oft Ursache bei Patienten unter 30

Bei jungen Männern unter 40 Jahren ohne neurologische Problematik können psychogene Faktoren wie die sogenannte „Performance Anxiety“ eine Rolle bei der Entstehung von erektiler Dysfunktion spielen.

Die Performance Anxiety oder auch Leistungsangst bezieht sich auf die Angst, beim Geschlechtsverkehr nicht ausreichend zu performen und den Erwartungen des Partners nicht gerecht zu werden.

Diese Angst kann dazu führen, dass der Mann während des Geschlechtsverkehrs nervös oder gestresst ist, was zu einer Einschränkung der Erektionsfähigkeit führen kann.

Die Performance Anxiety kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Negative Erfahrungen beim Geschlechtsverkehr, wie zum Beispiel frühere Misserfolge oder Ablehnungen durch den Partner.
  • Hohe Erwartungen an die eigene sexuelle Leistungsfähigkeit, die möglicherweise durch Pornografie oder den Vergleich mit anderen Männern verstärkt werden.
  • Stress oder Angstzustände im Alltag, die sich auf die sexuelle Leistungsfähigkeit auswirken können.

Bei jungen Männern unter 40 Jahren, bei denen keine organischen Ursachen für die erektile Dysfunktion vorliegen, ist es wichtig, psychogene Faktoren wie die Performance Anxiety in Betracht zu ziehen und gegebenenfalls gezielte psychotherapeutische Maßnahmen einzuleiten, um die sexuelle Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Dabei kann eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken und sexueller Aufklärung helfen, die Performance Anxiety zu reduzieren und somit die sexuelle Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Diagnose

Eine korrekte Diagnose von ED erfordert eine sorgfältige medizinische Bewertung, die die zugrunde liegenden medizinischen Bedingungen, Lebensstilfaktoren und psychologischen Zustände berücksichtigt.

Die Diagnose einer erektilen Dysfunktion wird durch einen Urologen oder anderen Arzt gestellt. Neben dem Gespräch mit dem Arzt helfen auch ein Ultraschall oder eine Laboruntersuchung des Blutes, um Krankheiten als Ursache der Erektionsstörung zu bestimmen.

Weitere Untersuchungen können eine Penis-Doppler- bzw. Nokturne penile Tumeszenz-Messung (NTP), ein Schwellkörper-Injektionstest (SKIT), eine arterielle Angiografie, Kavernosometrie und Kavernosografie umfassen.

Seit dem Trend – anders kann man es nicht bezeichnen – zum Einsatz von Phosphodiesterase-5-Hemmern vor der Durchführung weiterer Untersuchungen, wird die Diagnose einer psychogenen Erektionsstörung selten gestellt.

Urologen stellen häufig organische Erkrankungen als Ursachen für Erektionsstörungen in den Vordergrund, während Sexualmediziner oft psychogene Faktoren für die Ursache halten.

Wer aufgrund rein psychischer Ursachen wie Stress keine Erektionen bekommt, ist meist in psychologischer Behandlung am besten aufgehoben.

Testosteronmangel als Auslöser

Testosteron spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung der sexuellen Funktionen von Männern, einschließlich der Libido und der Erektionsfähigkeit. Ein niedriger Testosteronspiegel kann zu einer Reduktion der sexuellen Aktivität, der Muskelmasse und -stärke sowie zu einer Abnahme der Knochendichte führen. Es kann auch eine Rolle bei der Entstehung von ED spielen.

Ein Testosteronmangel kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, einschließlich des natürlichen Alterungsprozesses, aber auch durch medizinische Bedingungen wie Hypogonadismus, Diabetes Mellitus, Adipositas und vaskuläre Erkrankungen. Eine Metaanalyse von 17 Studien mit über 4.000 Männern zeigte, dass Männer mit ED häufiger einen niedrigen Testosteronspiegel hatten als Männer ohne ED.

Die Behandlung von Testosteronmangel kann dazu beitragen, die sexuelle Funktion und Libido zu verbessern und möglicherweise auch die erektile Funktion zu verbessern.

Eine Testosteronmessung kann durchgeführt werden, wenn ein Testosteronmangel vermutet wird. Zu den Symptomen eines Testosteronmangels gehören eine Abnahme der sexuellen Funktion, eine Verringerung der Muskelmasse und -stärke sowie eine Abnahme der Knochendichte.

Eine Testosteronmessung kann in der Regel über einen Bluttest erfolgen. Es wird empfohlen, dass die Messung am Morgen erfolgt, wenn der Testosteronspiegel normalerweise am höchsten ist. Ein einzelner Testosteronspiegel kann jedoch nicht ausreichen, um eine Diagnose zu stellen, da der Testosteronspiegel im Laufe des Tages schwanken kann. Eine wiederholte Messung kann daher erforderlich sein, um einen stabilen Testosteronspiegel zu bestimmen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Männer mit ED einen Testosteronmangel haben und dass eine Testosteronersatztherapie nur bei nachgewiesenem Testosteronmangel empfohlen wird.

Die Entscheidung für eine Testosteronersatztherapie sollte daher immer in Absprache mit einem erfahrenen Arzt erfolgen, da diese Therapie auch mit potenziellen Risiken verbunden sein kann, wie z.B. einer Vergrößerung der Prostata oder einer Zunahme des Risikos für Prostatakrebs.

Therapie

Behandlungsmöglichkeiten können Medikamente wie Phosphodiesterase-Typ-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer), Testosteronersatztherapie und Penisspritzen beinhalten.

Änderungen des Lebensstils, wie Rauchentwöhnung, Gewichtsabnahme und regelmäßige körperliche Aktivität, können ebenfalls helfen.

Der Markt für PDE-5-Hemmer ist jedenfalls gigantisch: der weltweite Umsatz von PDE-5-Hemmern wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt. Laut dem Marktforschungsunternehmen IQVIA betrug der weltweite Umsatz von PDE-5-Hemmern im Jahr 2020 etwa 5,5 Milliarden US-Dollar.

Die größten Anbieter von PDE-5-Hemmern sind Pfizer (mit dem Wirkstoff Sildenafil, vermarktet unter dem Markennamen Viagra), Eli Lilly (mit dem Wirkstoff Tadalafil, vermarktet unter dem Markennamen Cialis) und Bayer (mit dem Wirkstoff Vardenafil, vermarktet unter dem Markennamen Levitra).

Andere Hersteller von PDE-5-Hemmern sind zum Beispiel Teva Pharmaceuticals, Zydus Cadila, Ajanta Pharma und Torrent Pharmaceuticals.

Gibt es pflanzliche Alternativen um ED wirksam zu bekämpfen?

Es gibt verschiedene pflanzliche Alternativen, die zur Behandlung von erektiler Dysfunktion (ED) eingesetzt werden.

Einige Studien deuten darauf hin, dass einige dieser pflanzlichen Produkte eine gewisse Wirksamkeit gegen ED aufweisen können, aber die Studienlage ist noch begrenzt und es bedarf weiterer Forschung, um die Wirkung und Sicherheit dieser Produkte zu bestätigen.

Einige der am häufigsten untersuchten pflanzlichen Alternativen gegen ED sind:

  • L-Arginin: L-Arginin ist eine Aminosäure, die eine Rolle bei der Produktion von Stickstoffmonoxid im Körper spielt. Stickstoffmonoxid hilft dabei, die Blutgefäße zu erweitern und den Blutfluss zu verbessern, was bei ED von Vorteil sein kann. Einige Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von L-Arginin die Symptome von ED verbessern kann, aber die Ergebnisse sind nicht eindeutig und weitere Studien sind erforderlich.
  • Yohimbin: Yohimbin ist ein Alkaloid, das aus der Rinde des Yohimbe-Baums gewonnen wird. Es wird manchmal als pflanzliches Aphrodisiakum verwendet und es gibt Hinweise darauf, dass es bei ED wirksam sein kann. Einige Studien haben jedoch auch gezeigt, dass Yohimbin mit Nebenwirkungen verbunden sein kann, wie zum Beispiel Bluthochdruck und Angstzustände.
  • Panax Ginseng: Panax Ginseng ist eine Pflanze, die in der traditionellen chinesischen Medizin zur Behandlung von ED eingesetzt wird. Einige Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Panax Ginseng die Symptome von ED verbessern kann, aber weitere Forschung ist erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit zu bestätigen.
  • Maca: Maca ist eine Wurzel, die in den Anden von Peru und Bolivien beheimatet ist. Sie wird traditionell als Aphrodisiakum und zur Verbesserung der sexuellen Funktion eingesetzt. Einige Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Maca die Symptome von ED verbessern kann, aber die Ergebnisse sind nicht eindeutig und weitere Forschung ist erforderlich.

Es ist wichtig zu beachten, dass pflanzliche Alternativen zur Behandlung von ED nicht von der US Food and Drug Administration (FDA) zugelassen sind und dass es mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nebenwirkungen geben kann.

Es ist daher auch in diesem Fall ratsam, einen Arzt zu konsultieren, bevor man pflanzliche Präparate zur Behandlung von ED einnimmt.

Verhaltensmodifikationen als erster Behandlungsschritt von erektiler Dysfunktion

Verhaltensmodifikationen im Zusammenhang mit der Behandlung von erektiler Dysfunktion beziehen sich auf eine Änderung des Verhaltens oder der Lebensweise des Patienten, um die sexuelle Funktion zu verbessern. Im Allgemeinen sind Verhaltensmodifikationen der erste Schritt bei der Behandlung von erektiler Dysfunktion.

Einige Beispiele für Verhaltensmodifikationen sind:

  • Änderung des Lebensstils: Dies kann umfassen, die Einnahme von Alkohol oder Rauchen zu reduzieren oder zu beenden, Gewichtsabnahme oder mehr Bewegung.
  • Verbesserung der Kommunikation: Offene und ehrliche Kommunikation mit dem Partner über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse kann dazu beitragen, sexuelle Spannungen abzubauen und das Vertrauen und die Intimität in der Beziehung zu stärken.
  • Entspannungstechniken: Methoden wie Meditation oder Atemübungen können helfen, Angstzustände und Stress abzubauen, die zu erektiler Dysfunktion beitragen können.
  • Sextherapie: Eine sexuelle Therapie kann dabei helfen, negative Gedanken oder Einstellungen zu sexuellen Erfahrungen zu verändern, Selbstbewusstsein im Umgang mit dem eigenen Körper und sexuellen Beziehungen aufzubauen und Techniken zur Verbesserung der sexuellen Funktion zu erlernen.

Wenn Verhaltensmodifikationen nicht ausreichen oder keine ausreichende Verbesserung der erektilen Dysfunktion erzielen, können andere Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden, wie z.B. die oben erwähnte medikamentöse Therapie oder auch Injektionen in den Penis, Vakuumpumpen oder Penisprothesen.

Die Entscheidung für die beste Behandlungsoption hängt von den individuellen Bedürfnissen und Umständen des Patienten ab und sollte in Absprache mit einem erfahrenen Arzt erfolgen.

Erektile Dysfunktion ein Marker für koronare Gefäßprobleme

Eine schnelle und klare Diagnose kann auch aus prophxlaktischen Gründen hilfreich sein. Es gibt nämlich mehrere Studien, die darauf hindeuten, dass erektile Dysfunktion ein Marker für koronare Gefäßprobleme sein kann.

Diese Studien legen nahe, dass Männer mit erektiler Dysfunktion möglicherweise ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse haben und dass erektiler Dysfunktion ein nützlicher Marker für das kardiovaskuläre Risiko sein könnte.

Als Konsequenz schlugen die meisten Autoren vor, dass Männer mit erektiler Dysfunktion routinemäßig auf kardiovaskuläre Risikofaktoren untersucht werden sollten. Beispielsweise sollten auf Basis standardisierter Fragebögen eine umfassende kardiologische Untersuchung durchgeführt werden.

Wichtig zu beachten ist, dass erektile Dysfunktion nur ein Indikator für das kardiovaskuläre Risiko ist und nicht als alleiniger diagnostischer Marker verwendet werden sollte.

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Quellen:

¹ Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion in der Neurologie (pdf)
² Erektionsstörung (erektile Dysfunktion, ED) – Von Irvin H. Hirsch, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University
³ Erectile dysfunction and diabetes: A melting pot of circumstances and treatments (G. Defeudis et al. in Diabetes Metab Res Rev. 2022 Feb;38(2):e3494.) DOI: 10.1002/dmrr.3494


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