Wechseljahre – ein Perspektivenwechsel

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (12 Bewertungen, Durchschnitt: 3,92 Sterne von 5)
Loading...
Wechseljahre – ein Perspektivenwechsel

Fotocredit: AdobeStock

Die Wechseljahre bedeuten eine Zäsur im Leben jeder Frau. Doch der neue Lebensabschnitt kann auch als positive Veränderung erlebt werden.

Das Erkennen der Vorteile des Wechsels eröffnet immer mehr Frauen einen Perspektivenwechsel. Denn das Klimakterium hat nicht nur negative Seiten – ganz im Gegenteil!

Wechseljahre – Artikelübersicht:

Zunächst wird die Regelblutung unregelmässig, dann kommt sie gar nicht mehr. Damit einher gehen Wallungen, Schlafstörungen, Hormonschwankungen und bei vielen Frauen Trauer darüber, dass die furchtbaren Jahre nun vorbei sind.

Doch während die einen ihrer verwelkenden Jugend nachtrauern, erleben immer mehr selbstbewußte Frauen den neunen Lebensabschnitt durchaus positiv und das Ausbleiben der Menses als befreiend. Doch wie erklären sich diese unterschiedlichen Wahrnehmungen und was passiert eigentlich im Körper einer Frau während des Klimakteriums?

Wechsel – und dann?

Rund um den 50. Geburtstag verändert sich das hormonelle Gleichgewicht im weiblichen Körper. Die Funktionstüchtigkeit der Eierstöcke nimmt ab, der Östrogenspiegel sinkt und die Regelblutung wird zunächst unregelmässig, bevor sie gänzlich ausbleibt. Die fruchtbaren Jahre im Leben einer Frau neigen sich dem Ende zu und sind nach dem Klimakterium endgültig vorbei.

Früher, beziehungsweise auch heute noch in konservativen, patriarchalisch strukturierten Gesellschaften mit wenig ausgeprägten Frauenrechten, wurde „der Wechsel“ oft auch als Ende der sexuellen Lust interpretiert. Mit dem Verlust der Fähigkeit Kinder zu bekommen, endete oft auch die sexuell aktive Zeit für viele Frauen.

Aber nicht nur das – Frauen im oder nach dem Klimakterium – verschwanden auch zunehmend von der Bildfläche und aus der öffentlichen Wahrnehmung. Schauspielerinnen, Models, TV Ansagerinnen, von Managerinnen ganz zu schweigen… Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung hatten jung und vital zu sein.

Wer dem traditionellen männlichen Beuteschema der allseits willigen und potentiell kinderempfangenden Frau nicht mehr entsprach, hatte noch vor einigen Jahrzehnten auch keinen Platz mehr in der öffentlichen Wahrnehmung.

Doch mit der Emanzipationsbewegung setzte ein radikaler Umdenkprozess ein. Frauen definieren sich immer weniger nur übers Muttersein und die Unmöglichkeit einer Schwangerschaft bedeutete noch lange keinen öffentlichen Rückzug – im Gegenteil. Viele Frauen können dem neuen Lebensabschnitt durchaus Positives abgewinnen und sind heute selbstbewusst genug, das auch lautstark zu artikulieren.

Endlich frei

Bei vielen naturverbundenen Völkern und auch heute noch im asiatischen Raum sind ältere Frauen seit jeher angesehener als junge. Interessant daran ist zudem, dass die Frauen dort auch weniger an Wechselbeschwerden leiden als westliche Frauen. Was jetzt Ursache und Wirkung ist, lässt sich so einfach nicht beantworten. Klar ist laut Gendermedizin aber jedenfalls, dass bei der Entstehung von Wechselbeschwerden die Kultur ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.

Da in der westlichen Welt das Klimakterium weniger als Privileg, denn als zu erduldendes Faktum betrachtet wird, leidet der Wechsel in der westlichen Welt noch immer unter einem gewissen Imageproblem. Doch das Tabu, über ein Thema zu sprechen, das früher oder später rund die Hälfte der Menschheit betrifft, bricht langsam auf – und das ist gut so.

Klar, Frauen um die 50 haben Falten und sehr selten eine Traumfigur, aber sie haben Erfahrung – und das nicht nur in sexueller Hinsicht. Älterwerden bedeutet zwar einen natürlichen Verlust an Attraktivität – zumindest in einer gesellschaftlich nach wie vor männlich dominierten Mentalität – , aber selbstbewusste Frauen definieren sich eben über mehr als nur über ihr Aussehen.

Beruflich etabliert und mit einer über die Jahre aufgebauten Lebenserfahrung geniessen immer mehr Frauen die Zeit des Wechsels als durchaus positiv. Keine Angst mehr vor ungewollten Schwangerschaften haben zu müssen, lässt viele Frauen auch ihre Sexualität neu erleben.

Selbstbewusst durch die Wechseljahre

Gut, den allseits bekannten Spruch „I am still hot, it just comes in flashes“ (Ich bin immer noch heiß, jetzt kommt es halt in Schüben) auf einem T-Shirt zu tragen, ist wohl nicht jederfraus Sache in den Wechseljahren. Trotzdem, allein, dass es möglich ist, als Anbieter von Frauengesundheitsprodukten mit so einem Satz Werbung zu machen, zeigt, dass ein Wechsel der Perspektiven erfolgt ist.

Wir erleben einen Paradigmenwechsel rund um die Wechseljahre. Frauen im und nach dem Klimakterium verschwinden nicht mehr von der Bildfläche – im Gegenteil: manche nutzen ihre Prominenz sogar dazu, das Thema zu enttabuisieren. Michelle Obama ist ein wunderbares Beispiel: Die Ex-First Lady widmete sich 2020 in ihrem Podcast ausführlich den Wechseljahren der Frau. Ihr Satz „Wir leben, als würde es nicht passieren“ hat viele Menschen aufgerüttelt.

Nicht nur Frauen, auch immer mehr Männer besinnen sich der Tatsache, dass Frauen eben irgendwann ihre Fruchtbarkeit verlieren, was aber nicht heisst, dass sie alt sind. Vielmehr haben sie mit den Lebensjahren Erfahrungen gesammelt und natürlicher Autorität gewonnen.

Partnerschaft und Wechsel

Die Tatsache, das viele Frauen heutzutage oft jahrelang Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind und Erwerbs- und Familienarbeit unter einen Hut bringen müssen, um „ihren Mann“ zu stehen, wird zunehmend anerkannt. Das Meistern dieser vielfältigen Herausforderungen gebietet und verdient gesellschaftliche Anerkennung auch in den Jahren danach – und das ist gut so.

Der Jugendwahn scheint sich seinem Ende zu nähern. Gerade ältere Frauen erfahren zunehmend Wertschätzung in der Öffentlichkeit, sie sind sichtbar und stehen zu ihren altersbedingten „Makeln“ und dem Klimakterium. Das Beste daran: auch immer mehr Beziehungen profitieren von der Erkenntnis beider Partner, dass zwar weder Männlein noch Weiblein im Alter unbedingt hübscher werden, das Leben nach der Menopause aber durchaus entspannte, aber auch spannende Seiten hat.

Mag der Sex aufgrund des häufig mit dem Wechsel einhergehenden Libidoverlusts zwar vielleicht weniger werden – viele Frauen berichten von innigerer Zweisamkeit und sehr schöner, neuer Intimitätserfahrung. Erstens entfällt die Angst vor einer Schwangerschaft und zweitens sind die Kinder meist schon erwachsen und man hat schlichtweg wieder mehr Zeit für die eigene Sexualität in oder außerhalb einer Partnerschaft..

Paare können so auf auf eine neue Art zusammenfinden und den neuen Lebensabschnitt dazu nutzen, die gemeinsame Sexualität neu zu „erfinden“. Wer das Älterwerden akzeptiert, sollte sich als nicht mit der Angst, für den Partner weniger attraktiv zu sein, herumschlagen, als viel mehr die gewonnene Zeit und Erfahrung dazu nutzen, wieder zusammen zu finden und sich neu aufeinander einlassen.

Mit romantischen Dates zum Beispiel, viel Kuscheln, langem Vorspiel, wechselseitigen Massagen, heißen Badewannen und ab und zu auch mal „slow Sex“. Denn wann, wenn nicht nach dem Wechsel, wäre der perfekte Zeitpunkt für einen Perspektivenwechsel.

—————-

Quellen:

¹ Womenshealth Magazin – Podcast Michelle Obama
² Wechselweise

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Klimakterium – Wechselbeschwerden
– Männer und Frauen im Wechsel
– Erogene Zonen bei Männern und Frauen
– Libidoverlust in der Menopause

Das könnte Sie auch interessieren …