Zungenkuss – ist er gesund oder ein Krankheitsüberträger?

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Zungenkuss – gesund oder Krankheitsüberträger?

Ein richtig leidenschaftlicher Zungenkuss macht ohne Zweifel Spaß und Lust auf mehr – aber ist Küssen auch gesund, wie manchmal behauptet wird? Neueste Studien stellen einen Zusammenhang zwischen häufigen Zungenküssen und HPV-Infekten – und damit auch für Tumore im Mund- und Rachenbereich – fest.

Aber auch andere Krankheiten können beim Schmusen übertragen werden, schließlich werden massenhaft Keime und Bakterien ausgetauscht. Umgekehrt wird genau deshalb nachweislich das Immunsystem gestärkt, da sich die Zahl der Immunzellen im Blut erhöht, um so die Abwehrkräfte zu erhöhen.

Wir haben wir für Sie recherchiert, ob der Zungenkuss gesund oder ein Krankheitsüberträger ist.

Zungenkuss – gesund oder Krankheitsüberträger? – Artikelübersicht:

Dass man sich im Krankheitsfall besser nicht küsst, steht außer Streit. Verschiedene Viren und Bakterien, die mit dem Speichel übertragen werden, können bei einem Zungenkuss problemlos von einem Mund zum nächsten wandern und das Immunsystem des Partners schwächen. Ein Ansteckungsrisiko besteht bei Herpes-und Grippeviren sowie bei Erkältungskrankheiten.

Aber auch Magen-Darm-Infekte können durch einen Zungenkuss übertragen werden. Neueste Studien deuten sogar auf ein erhöhtes HVP Risiko durch Küsse hin. Aber soll man das Schmusen jetzt besser bleiben lassen? Oder gibt‘s auch positive Effekte, die dem Risiko gegenüberstehen?

Schluckimpfung Kuss

In aller Kürze: Wer nicht wie wild durch die Gegend schmust, sondern sich auf Zungenküsse mit dem oder der Liebsten beschränkt, der sollte sich mal keine Sorgen machen.

Ein Kuss wirkt entspannend und bindungsfördernd und zudem wie eine Art Schluckimpfung, die Küssende sich gegenseitig verpassen. Wird der Speichel beim Zungenkuss ausgetauscht, werden beim Kusspartner auf diese Art Impulse zur Bildung von Antikörpern ausgesendet und so die Abwehrkräfte gestärkt. Und da sich die im Mund enthaltenen Bakterien von Mensch zu Mensch zu ca. 20% unterscheiden, ist das Immunsystem konstant gefordert, zu „trainieren“ und neue Abwehrkräfte zu mobilisieren.

Soweit so verständlich. Konsequenterweise belegen auch diverse Studien, dass Viel-Küsser länger und gesünder leben. Aber stimmt das auch?

Wer viel küsst lebt länger?

Um der Wahrheit Genüge zu tun, hat die Langlebigkeit der Vielküsser wohl weniger mit der Immunisierung durch die „Kuss-Schluckimpfung“ zu tun, als vielmehr mit der Grundlebenseinstellung dieser Menschen.

Jemand, der viel küsst, ist tendenziell weltoffener und fröhlicher als ein Schmusemuffel und geht mit eher positiver Grundeinstellung durchs Leben.

Alte, kranke und geschwächte Mensch haben zudem eher weniger Gelegenheit zum Zungenkuss. Die Kausalität ist also umgekehrt. Nicht wer viel küsst ist gesund, sondern wer gesund ist küsst häufiger!

Die positiven Aspekte des Zungenkusses

Fakt ist: beim intensiven Zungenkuss zwischen Liebespartnern werden viele Milliarden Nervenzellen aktiviert und die Botenstoffproduktion angeregt.

Die Ausschüttung von Serotonin, dem „Gute-Laune“ – Hormon und Oxytocin, dem „Bindungs – Hormon“ stärkt unser Wohlbefinden und kurbelt unseren Kreislauf an. Gleichzeitig wird der Stresslevel durch die Absenkung des Stresshormon Cortisol gesenkt.

Küssen stärkt zudem die Atemwege und ist damit ein gutes Lungentraining. Neben der erhöhten Sauerstoffzufuhr wirkt ein Kuss – wenn er intensiv genug ist – auch blutdruckausgleichend und sogar kalorienabbauend (zugegeben, dafür müssen Sie schon viel schmusen).

Zusammengefasst lässt sich aber jedenfalls sagen, dass ein intensiver Zungenkuss vielerlei positive Reaktionen im Körper auslöst:

  • der Blutdruck steigt
  • 29 Geschichtsmuskeln werden bewegt
  • der Herzschlag erhöht sich
  • Küssen bremst die Entstehung von Stresshormonen, sogenanannerten Glukokortikoiden. So werden nicht nur Bluthochdruck sondern auch hohe Cholesterinwerte gesenkt
  • Zungenküsse regen die Speichelbildung an. Das so produzierte Kalzium und die Zunahme des Spurenelement Phosphors stärken den Zahnschmelz und beugen Karies vor
  • Bei einem intensiven Zungenkuss werden die Geschlechtsorgane aktiviert und verstärkt durchblutet, da die Nervenenden von Lippen und Zunge entsprechende Reize über das zentrale Nervensystem direkt weiterleiten

Daraus nun aber zu schlussfolgern, dass Küssen grundsätzlich förderlich für die Gesundheit ist, ist dennoch gewagt. Den nachgewiesenen positiven Eigenschaften stehen nämlich Risiken beim Küssen gegenüber.

Gesundheitsrisiko Zungenkuss

Denn obwohl oben beschriebene Effekte wissenschaftlich belegt sind, ist die Konzentration der beruhigend und entspannend wirkenden Botenstoffe, die beim Küssen ausgeschüttet werden, zu gering, um einen nachhaltig positiven Gesundheitseffekt zu bewirken und die Risiken voll auszugleichen.

Auch dem Effekt, dass durch den Speichelaustausch die Antikörperbildung angeregt und so das Immunsystem gestärkt wird, steht das nicht zu unterschätzende Infektionsrisiko gegenüber.

Folgende Krankheiten sind – theoretisch – durch Küssen übertragbar:

  • Diphterie
  • Epstein-Barr-Virus
  • Gastrointestinale Keime wie Noro-Viren / Magen-Darm-Infektion
  • Herpes-simplex-Virus Typ I
  • Influenza (Grippe)
  • Covid 19 (Coronavirus SARS-CoV-2)
  • Keuchhusten
  • Masern
  • Meningokokken (Hirnhautentzündung)
  • Mumps
  • Mundsoor
  • Pneumokokken (Lungenentzündung)
  • Röteln
  • Streptokokken (Scharlach)
  • verschiedene Erkältungs-Viren
  • Windpocken/Feuchtblattern

Neben oben genannten Infekten können laut neuesten Studien auch HVP Viren über Zungenküsse übertragen werden. Wissenschafter aus den USA haben diese erhöhte Gefahr von Mund- und Rachentumoren nun detailliert durchleuchtet.

Exkurs zur Übertragung des Coronovirus aus Aktualitätsgründen: Das Robert Koch-Institut (RKI) als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten in Deutschland meldet, dass der Hauptübertragungsweg von Coronaviren primär die Tröpfcheninfektion ist. Also wenn die Viren etwa durch Husten eines Infizierten in die Luft gelangen, von dort auf die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase anderer Personen treffen und so in den Körper eindringen. Auf diese Weise kann sich das Coronavirus ebenfalls durch Küssen verbreiten.

Ob sich Coronaviren auch durch Geschlechtsverkehr übertragen lassen, gilt zwar als unwahrscheinlich, doch die WHO schließt dies nicht kategorisch aus.

HPV-Infektionsrisiko

Tatsache ist, dass das HPV-Infektionsrisiko bei häufigen Zungenküssen mit wechselnden Partnern offenbar erhöht ist. Andererseits ist aber eine durch Küssen bedingte Infektion aufgrund der geringen HPV-Prävalenz unwahrscheinlich. Soweit die Wissenschaft.

Auf gut Deutsch heißt das nichts anderes, als dass Zungenküsse das Risiko für Oropharyngealtumore (Tumore im Mund- und Rachenraum) nicht nennenswert erhöhen.

Der Hauptgrund für die zunehmende Anzahl von bösartigen Tumoren im Mund- Und Rachenraum liegt viel eher daran, dass Oralsex sich als gängige Sexualpraktik etabliert hat, die zudem oft ungeschützt ausgeübt wird.

Es dürfte also vielmehr ein Zusammenhang insofern bestehen, dass das HPV-Infektionsrisiko generell steigt, je sexuell aktiver man ist. Anzunehmen ist nämlich, dass sexuell aktive Menschen auch häufiger Zungenküsse mit wechselnden Partnern austauschen.

Das führt zu der simplen wie naheliegenden Schlussfolgerung, dass häufige Partnerwechsel insgesamt ein höheres HPV-Infektionsrisiko bewirken.

Aber keine Panik! Da aber nur wenige HPV Infektionen zu Tumoren führen und die meisten Infektionen eher harmlos verlaufen, ist die beste Empfehlung kein „Kussverbot“ sondern schlicht und einfach „safer sex“!

Denn im Vergleich zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr ist das Infektionsrisiko durch Hochrisiko-HPV-Stämmen per Zungenkuss sehr unwahrscheinlich. Und noch unwahrscheinlicher ist es, dass ein dabei möglicherweise übertragenes HP-Virus einen Tumor auslöst.

Fazit: Zungenküsse sind gesund und trotzdem potentielle Krankheitsüberträger, das ist kein Widerspruch. In einer Partnerschaft stärken sie aber den Zusammenhalt, machen Spaß und gehören zum Vorspiel einfach dazu! Und zu Tode gefürchtet ist bekanntlich auch gestorben – in diesem Sinn: Legen Sie doch ruhig mal wieder eine Schmusestunde mit Ihrem Partner ein!

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Quellen:

¹ Kissing and hpv: honest popular visions, the human papilloma virus, and cancers
² Ärztezeitung – auf Zungenkuss besser verzichten
³ Medizin & Psychologie – Küssen ist gesund

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Linktipps

– Küssen als Medizin
– Sex, Medizin, Gesundheit
– Infektionsrisiko Oralsex
– Glückshormone Serotonin und Endorphin

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